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Der digitale Produktpass für den Maschinen- und Anlagenbau

Maschinen und Anlagen bilden das Rückgrat der deutschen Industrie – und verursachen zugleich einen erheblichen Teil der Industrieemissionen. Mit dem European Green Deal und der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) macht die EU den digitalen Produktpass (DPP) schrittweise zur Pflicht: zunächst für Batterien, ab 2027 voraussichtlich für weitere Produktgruppen. Der Produktpass endet dabei nicht am Werkstor, sondern begleitet ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus – von den eingesetzten Materialien über den ökologischen Fußabdruck bis hin zu Reparatur, Ersatzteilen und Recycling.

Für den überwiegend mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbau ist das eine doppelte Herausforderung. Viele Unternehmen arbeiten intern noch weitgehend analog und sind entlang der Lieferkette kaum digital mit Lieferanten und Partnern vernetzt – genau die Grundvoraussetzungen, die ein Produktpass zwingend braucht. Wie sehr Datenverfügbarkeit heute fehlt, zeigt ein einfacher Kennwert aus der Instandhaltung: Von zehn Stunden Arbeitszeit entfallen im Schnitt nur rund drei Stunden auf die eigentliche Arbeit an der Maschine. Der Rest geht für die Suche nach Informationen, die Dokumentation und Wartezeiten durch fehlende Materialien verloren.

Genau hier setzt das Forschungsprojekt SDP4Industry an: SIMPL Technologies entwickelt mit dem SIMPL Digitalpass eine praxistaugliche Lösung, mit der mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer die kommenden EU-Vorgaben erfüllen und den Weg in die industrielle Kreislaufwirtschaft finden – aufbauend auf der bereits etablierten asset-zentrierten Plattform SIMPL Base.

Zwei Bausteine. Ein Ziel: Daten über den gesamten Lebenszyklus nutzbar machen.

Der Ansatz von SDP4Industry baut auf zwei aufeinander aufbauenden Bausteinen auf:

SIMPL Base – die digitale Grundlage. SIMPL Base unterstützt Industrieunternehmen dabei, ihre Stamm- und maschinenbezogenen Daten zu digitalisieren und zentral abzulegen. Für jede Maschine entsteht eine digitale Lebenslaufakte, in der alle Aktivitäten – von der Inbetriebnahme über Wartung und Instandhaltung bis zur Reparatur – dokumentiert werden. Damit lassen sich Service- und Instandhaltungsprozesse von der Planung über die Durchführung bis zur Abwicklung durchgängig abbilden. Dieser Digitalisierungsgrad ist die unerlässliche Voraussetzung, um überhaupt einen Produktpass führen zu können.

SIMPL Digitalpass (SDP) – der Produktpass für die Maschine. Der SIMPL Digitalpass enthält alle relevanten Informationen entlang des Produktlebenszyklus einer Maschine, einschließlich Angaben zum CO₂-Fußabdruck. Über standardisierte Identifikationsverfahren wie QR-Code oder NFC-Tag greifen die unterschiedlichen Akteure entlang der Wertschöpfungskette zentral auf diese Daten zu – sie spielen Informationen ein oder lesen sie aus:

  • Rohstofflieferant – Emissionsdaten und Herkunft der Materialien
  • Komponenten- und Teilezulieferer – eingearbeitete Materialien, Verbrauchs- und Abfalldaten
  • OEM (Maschinenhersteller) – Leistungsdaten, Handbücher, Reparaturanleitungen
  • Anlagenbetreiber – Betriebs- und Nutzungsdaten
  • Instandhalter – Lebenslaufakte, reparierte und getauschte Ersatzteile
  • Demontierer / Recycler – Entsorgungs- und Recyclinginformationen

Dieser unternehmensübergreifende Datenaustausch – gebündelt rund um ein Asset – ermöglicht eine effizientere Ressourcen(wieder-)verwendung, eine schnellere Identifikation erforderlicher Ersatzteile und neue, servicebasierte Geschäftsmodelle.

Was das Projekt erforscht

Damit aus dem Konzept eine tragfähige und interoperable Lösung wird, adressiert SDP4Industry auf inhaltlicher und technischer Ebene mehrere zentrale Fragestellungen:

  • Wie und nach welchen Standards werden Produktpassdaten gespeichert – dezentral, zentral oder hybrid?
  • Welche Datenträger eignen sich je nach Anwendungsfall für den Datenaustausch (QR-Code, Barcode, RFID, NFC)?
  • Wer erhält – abhängig von Rolle und Unternehmen – Zugriff auf welche Datensätze?
  • Welche Datenanforderungen ergeben sich aus bestehenden Standards und Spezifikationen wie VDI 2770 oder IEC 61406?
  • Welcher Grad an Standardisierung ist für eine praktikable Umsetzung überhaupt notwendig?
  • Wie sieht eine tragfähige Data Governance aus und nach welchen Regeln darf der Datenaustausch erfolgen?

Ein wesentlicher Grundsatz dabei: SIMPL entwickelt keine eigenen, neuen Standards, sondern setzt gezielt auf bestehenden Initiativen wie der Plattform Industrie 4.0, GAIA-X, Catena-X und dem Digital Data Chain Consortium auf.

Netzwerk und wissenschaftliche Anbindung

SDP4Industry ist ein Einzelvorhaben von SIMPL Technologies. Für die praxisnahe Entwicklung greift SIMPL auf ein breites Netzwerk assoziierter Partner zurück:

  • Pilotpartner aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie dem industriellen Service, die Anforderungen einbringen und den Prototyp in realen Umgebungen erproben.
  • Vereine und Verbände wie der Verband für Anlagentechnik und Industrie-Service (VAIS), der Service-Verband KVD, das Forum Vision Instandhaltung (FVI), die Open Production & Maintenance Community und das Digital Data Chain Consortium.
  • Wissenschaftliche Anbindung an das Fraunhofer ISST und die TU Dortmund, aus deren Forschungsumfeld das Gründungsteam hervorgegangen ist.

Projektsteckbrief

Förderprogramm EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027
Aufruf Grüne Gründungen.NRW
Projektträger Innovationsförderagentur.NRW c/o Projektträger Jülich (Forschungszentrum Jülich GmbH)
Vorhabensart Einzelvorhaben
Laufzeit 01.09.2024 – 28.02.2027 (30 Monate)
Förderkennzeichen EFRE-20800489 (SIMPL Technologies GmbH)

Förderhinweis

Das Vorhaben SDP4Industry wird im Rahmen des Aufrufs „Grüne Gründungen.NRW“ aus dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027 mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Kofinanziert von der Europäischen Union.

Bei Fragen zum Projekt oder zu Kooperationsmöglichkeiten freuen wir uns über deine Kontaktaufnahme.

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